Biodiversitätskonservatorium "Gut Melb"

Entwurf eines Gesamtnutzungskonzeptes für Gut Melb inkl. Aufbau eines Biodiversitätskonservatoriums im Bonner Melbtal

Gut Melb (11 z.T. historische Gebäude und 19 ha Land) liegt stadtnah zwischen dem Melbgarten und der Hochschulsportanlage. Eine Umnutzung oder ggf. Abgabe stehen notwendig an. Vorliegende Skizze basiert auf Überlegungen, die zum Teil im Netzwerk BION – Biodiversitätsnetzwerk Bonn entwickelt wurden. Zentral für die Nutzung der Flächen und der Wirtschaftsgebäude wäre eine landwirtschaftliche Komponente, die unter BION als Biodiversitätskonservatorium im Bonner Melbtal u.A. mit den Komponenten Sortenerhaltungsgarten für regionale Obstsorten und Kompetenzzentrum Imkerei und Bienenkunde aufgestellt sein könnte und durch die benachbarte Außenstation Melbgarten der Botanischen Gärten der Universität Bonn ergänzt werden könnte. Weitere wesentliche Nutzungen könnten vom Hochschulsport der Universität und der LUNEX University betreut werden. Darüber hinaus sind universitäre Nutzungen naheliegend, die noch ausformuliert werden müssten.

1) Ausgangslage

Die Liegenschaft Gut Melb umfasst ca. 19 ha Land und insgesamt 11 z.T. denkmalgeschützte Gebäude. Es handelt sich um ein altes landwirtschaftliches Gut. Die Gebäude wurden bisher teilweise von einem Institut (INRES) der Landwirtschaftlichen Fakultät genutzt und teilweise an Dritte unterverpachtet, insbesondere die Ländereien. Die Nutzungsaufgabe der Liegenschaft durch die Landwirtschaftliche Fakultät wirft die Frage einer zukünftigen Nutzung der Liegenschaft auf, die in ihrer Gesamtheit nur bedingt für eine im engeren Sinne geeignet ist.

Das Gut Melb mit seinen etwa 19 ha großen Ländereien befindet sich in unmittelbarer Nähe des Bonner Zentrums, inmitten eines Landschaftsschutzgebietes und benachbart zu einem Naturschutzgebiet. Das Melbtal ist ein gut erreichbares und beliebtes Naherholungsgebiet der Stadt Bonn. Die zum Gut Melb gehörigen Flächen grenzen einerseits an die Außenstation Melbgarten der Botanischen Gärten der Universität Bonn an, andererseits an die Hochschulsportanlage der Universität Bonn. Da die Ländereien und Gebäude von Gut Melb weitgehend dem Denkmal- bzw. Landschafts- und Naturschutz unterliegen, bestehen nur eingeschränkte Entwicklungsmöglichkeiten.

2) Grundsätzliche Überlegungen

Die Liegenschaft ist aus rechtlichen Gründen nur eingeschränkt entwicklungsfähig. Unproblematisch sind eine Weiterführung der „privilegierten Nutzungen“ (= Landwirtschaft i.w.S), sowie eine Gebäudenutzung die von Art und Umfang grob der bisherigen entspricht. Neubauten oder wesentliche Umnutzungen würden dagegen auf erhebliche rechtliche Hindernisse stoßen. Insbesondere die umfangreichen Ländereien und bäuerlichen Wirtschaftsgebäude sind auch kaum anders als landwirtschaftlich zu nutzen. In den vergangenen Jahren wurden vor dem Hintergrund dieser Tatsachen im Wesentlichen drei inhaltliche Ansätze entwickelt:

1.     Unterbringung der Geschäftsräume von BION e.V.– das Biodiversitätsnetzwerk Bonn im Modellprojekt

2.     Aufbau eines Biodiversitätskonservatoriums als Projektinitiative von BION e.V. mit den Komponenten

2.1.             Erhaltungsgarten für alte, regionale Obstsorten

2.2.             Inhaltlicher Anschluss an Außenstation Melbgarten der Botanischen Gärten der Universität Bonn – Ökologisch-geobotanischer Melbgarten

2.3.             Archehof bedrohter Nutztierrassen (Abt. 4.1, Grünpflege)

2.4.             Vertragsnaturschutz mit Ausmagerung und diversitätssteigernden Maßnahmen als Modellprojekt

2.5.             Kompetenzzentrum für Ökologie, Bienenkunde und Imkereiwirtschaft NRW (KÖBI; evtl. dem Biodiversitätskonservatorium anzugliedern.

3.   Sport- und Naherholungskomponenten zur öffentlichkeitswirksamen Erschließung und optimalen Nutzung von Flächen und Infrastrukturdurch Erweiterung des Hochschulsports der Universität Bonn mit Reitsport-Angeboten und gesundheitsorientierten Kursen

Für alle Komponenten liegen bereits relativ detaillierte Konzepte vor, für 2.3. und 2.4. nur erste Überlegungen und diverse Interessensbekundungen, auch potentieller Mittelgeber. Der Archehof oder zumindest eine Schafhaltung wären allerdings für die Pflege der Streuobstwiesen sehr hilfreich.

Mit diesen inhaltlich komplementären Ansätzen könnten große Teile der Liegenschaft zielführend und mehr oder minder „landwirtschaftlich“ bewirtschaftet werden. Die Konzepte 1-3 müssten im Wesentlichen über drittmittelfinanzierte oder eigenwirtschaftlich finanzierte Initiativen getragen werden, soweit sie nicht sowieso über die beiden beteiligten Zentralen Einrichtungen abgedeckt werden können.

3) Das Biodiversitätskonservatorium

In Sachen Biodiversität hat Bonn eine Sonderstellung: Es gibt hier eine einzigartige Konstellation von renommierten internationalen, nationalen und regionalen Einrichtungen, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Um diese Akteure zu vereinen und deren Kompetenzen zu bündeln, wurde BION, das „Biodiversitätsnetzwerk Bonn“, geschaffen, das bereits als positives Beispiel für die Vernetzung von Kapazitäten zur Biodiversität und Interaktion mit der Gesellschaft hervorgehoben wurde (Biodiversitätsstrategie NRW, MKULNV 2015, S.121) und als offizielles Projekt der „UN-Dekade Biologische Vielfalt“ ausgezeichnet worden ist. Die hier vorgestellte Projektidee bietet die Chance, das Netzwerk zu verstetigen und unter Beteiligung vieler BION-Partner einen in Bonn sichtbaren und gleichzeitig (inter-)national relevanten Beitrag zur Erforschung, Erhaltung und nachhaltigen Nutzung biologischer Vielfalt dauerhaft zu leisten.

Der Leuchtturm ‐ Die große, zusammenhängende Liegenschaft Gut Melb mit Ländereien und Melbgarten könnte zu einem „Biodiversitätskonservatorium im Bonner Melbtal“ unter den Gesichtspunkten „Archehof, Bienen, Bestäubung, Obst, Ökologie“ ausgebaut werden. Durch dieses Portfolio an Nutzungen könnte die umfangreiche Gesamtliegenschaft unter einem Dach ein ganzes Spektrum von hochaktuellen Themen des Arten und Naturschutzes bedienen – Imkereiwirtschaft, Biotopschutz, Kulturlandschaft,Erhaltungsprogramm Agrobiodiversität. Zudem soll in diesem populären Naherholungsgebiet ein einzigartiges Ausbildungs‐ und Bildungsangebot zu den Themen Biodiversität, Landwirtschaft, Ökosystemdienstleistungen entwickelt werden, das alle Bevölkerungsgruppen ansprechen soll (Schulen, benachbarte Jugendherberge, Grüne Schule der Botanischen Gärten, Biostationen, Bundesanstalten, Ministerien und NGOs). Aufgrund des breiten Aufgabenspektrums in der Gesamtkonzeption kann und soll das Thema Inklusion in der Imkerei und im Archehof prominent bewirtschaftet werden. Das Biodiversitätskonservatorium könnte somit zu einem multidimensionalen Modell‐ und Leuchtturmprojekt für Stadt und Land werden. 

Der status quo ‐ Region Köln‐Bonn e.V. und NRW.ProjektSoziales GmbH begleiten seit ca. 2 Jahren intensiv die Planungen. Ein erstes Projektdossier wurde erarbeitet und in der BLB–Niederlassung Köln vorgestellt. Sowohl hier, wie auch bei der Stadt und diversen Stiftungen und Bundesanstalten stößt das Konzept auf außerordentliches Interesse und Unterstützung. Bevor das Projekt allerdings weitergeführt werden kann, muss die liegenschaftliche Seite geklärt werden.

4) Fazit

Ingesamt ist Gut Melb einer gleichermaßen komplexe, wie interessante Immobilie. Die zwingende Neu-Aufstellung aufgrund Nutzungsaufgabe durch die Landwirtschaftliche Fakultät ist dabei primär als Chance zu begreifen. Nur so sind eine längst überfällige Sanierung der Gebäude sowie eine sinnvolle Flächennutzung denkbar. Die hier vorgestellten Komponenten könnten die Gesamtimmobilie sinnvoll und komplementär nutzen, wobei im Detail sowohl weiterer Klärungsbedarf sowie die Notwendigkeit zur Formulierung von Prioritäten bestehen. Auch wären hierzu noch zwingend ergänzende Überlegungen zur Nutzung – vor Allem des Herrenhauses – notwendig. 
In ihrer Gesamtheit könnten diese Nutzungen in attraktiver, stadtnaher Lage ein Leuchtturmprojekt für die Stadt Bonn darstellen, das sich strategisch sowohl in universitären Entwicklungskonzepten wie auch der Konzeption „Bonn als Hauptstadt der Biodiversität“ klar positioniert.