Kulturelles Erbe und Biodiversität in Cañaris (nordwestliche peruanische Anden) - Verständnis und Schutz einer einzigartigen und unbekannten Region in den Anden

Kulturelles Erbe und Biodiversität in Cañaris (nordwestliche peruanische Anden) - Verständnis und Schutz einer einzigartigen und unbekannten Region in den Anden

Dieses interdisziplinäre Projekt stellt fest, dass Natur und Kultur nicht nur zusammen untersucht werden können, sondern gleichzeitig erforscht werden müssen, um ein ganzheitliches und brauchbares Verständnis der Verbindung zwischen südamerikanischen indigenen Gesellschaften und der Moderne zu erhalten.
In letzter Zeit sind die Wechselbeziehungen zwischen Mensch und Umwelt zu einem zentralen Forschungsthema in allen Disziplinen geworden, die sich mit den katastrophalen Auswirkungen des sogenannten Anthropozäns beschäftigen. Aus biologischer und ethnologischer Sicht weisen diese Wechselbeziehungen oft unausgewogene Szenarien auf, die zum Beispiel in dramatischen Verlusten der Biodiversität, nicht nachhaltiger Bodennutzung, Raubbau-Politik oder sozialen Konflikten zum Ausdruck kommen. In vielen Fällen sind indigene Gesellschaften von diesen Unausgewogenheiten und Konflikten betroffen, dabei wird die Umwelt dieser Gesellschaften nicht nur unterschiedlich wahrgenommen, sondern auch deren Aufbau auf unterschiedliche Weise betrachtet. Wie kann also eine friedliche Balance oder Lösung dieser Fragen gefunden werden, ohne Natur und Gesellschaft nicht nur in einem spezifischen Fall ethnographisch zu untersuchen, sondern auch die eigentlichen Definitionen und Angemessenheit dieser Konzepte für indigene Ontologien der Gegenwart? 
Das Projekt beabsichtigt, diesen Konflikt anzusprechen und im besonders bemerkenswerten Fall der peruanischen nördlichen Andenregion Cañaris zur Diskussion zu stellen. Sowohl die Region als auch deren Bewohner waren nahezu unbekannt, nicht nur den Natur- und Altamerikanistik-Wissenschaftlern, sondern auch den peruanischen Gesellschaften in ihrer Umgebung. Paradoxerweise ist die Region Cañaris von großer Bedeutung aufgrund ihrer unerforschten außerordentlichen Biodiversität, die hier im größten bekannten peruanischen Wald am Westhang der Anden anzutreffen ist, und aufgrund ihres Kulturgutes, das materielle Kultur und immaterielles Kulturerbe mit einschließt, die bislang weder erfasst noch beschrieben worden sind.

Kontakt
Prof. Dr. Karoline Noack

Abteilung Altamerikanistik
Oxfordstr. 15
53111 Bonn

E-Mail: knoack(at)uni-bonn.de
Tel: 0228-734412