AG 1: Grundlagen der Biodiversitätsforschung

Wir wollen Daten und Instrumente zur Bestandsaufnahme von Tier- und Pflanzenarten zur Verfügung stellen, um einen Beitrag zur Minderung des fortschreitenden Verlustes von Biodiversität zu leisten. Im Hinblick auf die fortschreitende Biodiversitätskrise ist es besonders dringlich, eine Bestandsaufnahme der Arten in unterschiedlichen Habitaten durchzuführen, um wertvolle landschaftliche Elemente zu identifizieren. Der Schutz der Artenvielfalt erfordert sowohl die Dokumentation von Veränderungen bzgl. des Vorkommens und der Häufigkeit von Arten als auch die Organisation eines Langzeit-Monitorings der Artenvielfalt. Dazu muss eine Zusammenarbeit von Taxonomen, Monitoring-Experten (für lokale Beobachtungen und Fernerkundung), Technik-Fachleuten, Ingenieuren und Naturschützern organisiert werden. Und es werden Nischen- und Verbreitungsmodellierung benötigt, um lokale Erkenntnisse auf die Landschaftsebene zu extrapolieren und um Vorhersagen und Szenarien zu entwickeln. Die BION-Partner verfügen über das entsprechende Fachwissen, bzw. die entsprechende Ausbildung.

Prof. Dr. Wolfgang Wägele (Ltg.)
(Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig – ZFMK)
w.waegele(at)zfmk.de

Grundlagen

Wichtige Speziesdaten werden insbesondere von naturhistorischen Sammlungen bereitgestellt, die momentan ihre Daten digitalisieren. Daten, die von regionalen Behörden auf Länderebene zusammengetragen werden, sind normalerweise nicht allgemein zugänglich und sind auf Indikatorarten beschränkt. Einige Verbreitungsdaten sind über Webportale wie z. B. "floraweb" verfügbar, jedoch sind diese Daten oft nicht präzise genug, um mit ihnen eine Analyse der zeitlichen und räumlichen Veränderungen durchführen zu können.

Neue Methoden und Instrumente, die die Bestandsaufnahme beschleunigen können, sind DNA-Barcoding, Bioakustik, Bildverarbeitung, Einbeziehung von "Laienwissenschaftlern" und Fernerkundung. Eine Hauptaufgabe besteht darin, unter Einbeziehung von bereits bestehenden Datenbanken diese Instrumente zu kombinieren, um einen effektiven und bezahlbaren Arbeitsablauf für Routineanalysen zu entwickeln.

Der "Weltbiodiversitätsrat" IPBES hat einen Schwerpunkt auf Ökosystemdienstleistungen gelegt, weil diese von besonderem politischem Interesse sind. Die eigentliche Gefahr besteht jedoch im irreversiblen Verlust von Arten. Das beschleunigte Artensterben findet schon seit mehreren Jahrzehnten statt. Zukünftige Generationen von Menschen müssen in verarmten Landschaften leben, die nicht regenerierbar sind, wenn Arten ausgestorben sind.

Ziele

Ziel dieser AG ist es, Expertise zusammenzuführen, um Biodiversitätsdaten auf Artniveau generieren zu können. Eine wichtige Aufgabe dabei besteht darin, weitere Datenquellen für Speziesdaten zu finden (z. B. von Bestandsaufnahmen, für Vegetationstypen, Satellitenbilder).

Beispielsweise hat sich IPBES in seinem Arbeitsprogramm vorgenommen, mit der Aufgabe "Scenario analysis and modelling" Informationen für die Politikberatung zu erheben. Es mangelt jedoch an Voraussetzungen für die Erfüllung dieser Aufgabe, da Basisdaten zur Artenvielfalt in Beobachtungsgebieten grundsätzlich fehlen. Die Methodik für effiziente Artenerfassung muss erst entwickelt werden. Veränderungen können ohne diese Daten nicht festgestellt werden. Eine Langzeitüberwachung ist notwendig, um zufällige Variationen von Trends zu unterscheiden und um das Ausmaß der Veränderungen zu verstehen. Erst dann können die Mechanismen analysiert werden, die zu diesen Veränderungen geführt haben. Die BION-Partner verfügen über das entsprechende Fachwissen, um die Entwicklung der notwendigen Methoden und Arbeitsabläufe zu fördern.