AG 4: Biodiversität für Ernährung und Landwirtschaft / Bioökonomie

Die Arbeitsgruppe verfolgt das Ziel, die BION-Partner zum Zwecke des Informationsaustausches sowie der Verstärkung der Öffentlichkeits- und Informationsarbeit zum Thema Agrobiodiversität und Bioökonomie in der Region zu vernetzen. Aufbauend auf bestehenden Aktivitäten, Kompetenzen und Erfahrungen der Mitglieder der AG soll ein Verbund entstehen, in dem die verschiedenen Expertisen der Partner aus der Wissenschaft, der Verwaltung und der Politik gebündelt werden. Die Zusammenarbeit der Institutionen und Disziplinen soll zur konstruktiven Interaktion bei der Förderung und Erhaltung der Biodiversität und ihrer nachhaltigen Nutzung in den Bereichen Landwirtschaft/Forstwirtschaft/Fischereiwirtschaft/Ernährung/ Bioökonomie beitragen. Agrobiodiversität - auch im Zeichen der Bioökonomie - umfasst dabei die genetischen Ressourcen der Nutzpflanzen (einschließlich ihrer Wildformen), der Forstpflanzen, der Nutztiere, der jagdbaren und sonstigen Wildtiere, der Fische und anderer aquatischer Lebewesen sowie der Mikroorganismen und Invertebraten, und darüber hinaus auch die funktionelle Biodiversität in den Agrarökosystemen. Die Sicherung und nachhaltige Nutzung der Agrobiodiversität berührt insbesondere Themen der Erhaltung (Ex-situ und In-situ, inklusive on-farm) und der Inwertsetzung z.B. durch Züchtung, Produktentwicklung und Vermarktung.

Dr. Stefan Schröder (Ltg.)
(Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung – BLE, Informations- und
Koordinationszentrum Biologische Vielfalt, IBV)
stefan.schröder(at)ble.de

Grundlagen

Die Themen der Arbeitsgruppe sind nach folgenden Schwerpunkten strukturiert:

  1. Erhaltung in der land-, forst- und fischereiwirtschaftlichen Produktion und der Landschaftspflege (inkl. landschaftsökologischer Aspekte, funktionelle Biodiversität, naturverträgliche Flächenbewirtschaftung, Biotopvernetzung)
  2. Inwertsetzung (insbesondere Ex-situ-Erhaltung, Züchtung, Charakterisierung, Evaluierung)
  3. Ökonomie (u.a. vielfältige Ernährung, neglected crops, Vielfaltsprodukte, Holz- und Holzprodukte, Bioökonomie).

Zu 1: Die Vielfalt landwirtschaftlicher Kulturpflanzen und -tiere kann nur erhalten werden, wenn sie in die landwirtschaftliche Produktion integriert wird und im ländlichen Raum eine Rolle spielt. Die Artenvielfalt, bspw. der Wildpflanzen, kann sich nur in entsprechenden Bewirtschaftungssystemen erhalten, sie trägt dabei zu Selbstregulierungsmechanismen von Systemen bei (Ökosystemleistungen der Agrobiodiversität). Die Forstwirtschaft als ökologisch nachhaltige Landnutzungsform bietet hier integrative Ansätze für die Verbindung von Naturschutz und Nutzung.

Zu 2: Eine starke Konzentration der Pflanzenzüchtung auf wenige Kulturarten und Sorten führt zum Verlust der Vielfalt nutzbarer Agrobiodiversität, dgl. gilt für die Nutztiere. Veränderungen der Rahmenbedingungen der Landwirtschaft, Änderung der Konsumgewohnheiten oder der klimatischen Bedingungen erfordern jedoch auch künftig eine Vielfalt an Pflanzen und Tieren mit anderen Eigenschaften als Grundlage der Züchtung. Samen von Pflanzenarten und -sorten werden in kleinsten Mengen als genetische Ressourcen in Genbanken erhalten. Diese Sammlungen leisten einen wichtigen Beitrag für die Erhaltung der Artenvielfalt landwirtschaftlicher Nutzpflanzen. Für eine nachhaltige Nutzbarmachung dieser Ressourcen ist die züchterische Bearbeitung, die Charakterisierung und Evaluierung der erhaltenen Sorten, auch unter dem Aspekt der Ökosystemleistungen, die diese Arten und Sorten erbringen, notwendig.

Zu 3: In der Ernährung gewinnen Aspekte der Vielfalt an Bedeutung. Positive Beiträge der Agrobiodiversität sind auf globaler Ebene zur Sicherung der Welternährung und durch die Vielfalt in der Ernährung zur Vermeidung einer Fehlernährung in entwickelten Ländern möglich. Multifunktionaler Waldbau dient der Risikominimierung und nachhaltigen Bereitstellung eines der umweltfreundlichsten Rohstoffe. Ein konzeptioneller Ansatz, um diese Ziele zu erreichen, besteht in der Entwicklung bzw. dem Ausbau einer Bioökonomie.

Ziele

Durch die Vernetzung universitärer Partner und anderer Institutionen, wie der Verwaltung und der Politik, ist eine Verankerung von Agrobiodiversitätsthemen in Forschung und Lehre, bspw. auch über eine gemeinsam getragene Vorlesungsreihe, angedacht. Bei diesen Aktivitäten könnte auch für das Thema Bioökonomie sensibilisiert werden. Auch der Transfer von aktuellen Themen aus der Politik und Verwaltung als thematische Inhalte für Bachelor-, Master- und Doktorarbeiten ist denkbar. Dieses Ziel ist eines der generellen Ziele für BION, und innerhalb dieser Arbeitsgruppe werden hier besonders gute Umsetzungsmöglichkeiten gesehen.

Die Möglichkeiten von Projekten mit dem Inhalt „Agrobiodiversität in der Stadt Bonn“ mit der Stadt Bonn und weiteren BION-Partnern sollen geprüft werden.